Organisator: Eva Isotton 2. Februar 99
Teilnehmer: Eva, Roland, Oscar, Kurt, Vreni, Lynne, Benno, Andreas,
Urs, Elisabeth, Beat, Alex, Denise, Christine und der Berichtserstatter
Wollten uns Ausserirdische beobachten und kämen gar auf den Gedanken, in einer Februarnacht in der Schweiz landen zu wollen, just vielleicht auf der Scheidegg (nächst Wald im Zürcher Oberland), dann würden sie fünfzehn Erwachsenen begegnen, welche sich, niedliche Holzgestelle hinterherziehend, auf den Weg machten, einen Hügel zu besteigen, auf dessen schneebedeckter Strasse sie dann – sitzend auf besagten Holzgestellen – runterrutschten. Das wäre nicht so irritierend, wenn es nicht schon stockdunkel wäre. Und vielleicht auch weniger kalt. Aber dann gäbe es keinen Schnee (weil: "Schlitteln muasch wenn's Schnee hätt"). Das wiederum wüssten die Ausserirdischen noch nicht. Vielmehr aber würde sie interessieren welcher Verband, welcher Stamm hier sein Ritual veranstaltet, was so begeistern kann, das diese Menschen beim Aufstieg sich schier die Seele aus dem Leibe schwitzen (nur Vorturner Oscar begnügte sich mit allerhöchstens einer einzigen Schweissträne), um dann grinsend, aber konzentriert und vorsichtig ("I chumm jetzt") den Berg wieder runterzurodeln. Wer ist Häuptling, wer Medizinmann? Wer führt die Gruppe? Wer kümmert sich um die Einhaltung der Stammesregeln?
Manche dürfen wohl nur mit seitlich sich entgegenstemmenden Beinen – also verzögert – rutschen, während sich andere waghalsig, kopfvoran hinunterstürzen können. Sicher verfielen unsere Ausserirdischen auf den Gedanken, diesen Unterschied der Geschwindigkeiten mit dem Geschlecht der Rodelnden in Verbindung zu bringen. Aber bald kämen sie drauf, dass die Ausnahmen diese Regel so sehr bestätigen, das eine eindeutige Aussage nicht mehr vertretbar wäre. Fest stünde dann nur: Kopfvoran? Nur Männer! Stirnlampen? Nur Männer! Plastikhelm? Ein Mann namens Kurt!
Vor der nächsten Abfahrt (von der Poo-Alp) versammelt sich das Rudel Menschen in einem warmen Raum um drei heisse Käsetöpfe, in welche sie Brotstücke stecken, um diese dann mehr oder weniger elegant in den Mund zu stecken, zu kauen und zu schlucken. Getrunken muss dazu werden, am besten Kirsch, aber wer setzt schon leichtsinnig seine Vorbildwirkung für die Jugend ohne Drogen aufs Spiel? Und passiert es gar, das ein herdähnliches Gerät bei Tisch in unkontrolliertes Flammen gerät, dann wird gelöscht. Und zwar per heftiger Blasmanöver, nachdem die erhoffte Hilfe durch den angerufenen Feuerwehrmann Edgar ("Wer ist das nun?" fragen sich die Ausserirdischen) nicht den gewünschten Erfolg verheisst. Freilich wissen die Menschen, dass durch Blasen nur unnötig das Feuer angefacht wird, fällt der Luft strom zu schwach aus. Angeregt durch Tips der weiteren Anwesenden (Edgar war noch immer nicht erschienen!), wird dann wenigstens paarweise und gleichzeitig heftig versucht, blasend dem Feuer das Garaus zu machen. Was letztendlich gelingt und durch zustimmendes Aufatmen quittiert wird. Die Ausserirdischen tippen, dass freilich hier einer Gottheit gewürdigt würde, wie in primitiven Gesellschaften üblich. Welcher? Darüber sind sich die Experten uneins. Dem Feuergott meinen die einen, dem Käsefonduegott die anderen. Die mit dem Käsefondue wähnen sich in der Minderheit, sind aber umso hitziger bei der Beweisführung. Nur noch einer glaubt, dass eigentlich "Edgar" damit ein Opfer dargebracht worden wäre ...
Jedenfalls als Eva dann zahlen wollte (Max bot sich als Ausrede nicht an, weil er heuer nicht dabei war!), wurde die Rechnung erstellt und durch 15 geteilt. Die Ausserirdischen waren bereits tief am diskutieren und daher unaufmerksam, als erstens eine waghalsige Ringsuche begann ("En Ehering?" – "Nei, ei gaunz normali") und zweitens Lynne ihr Lieblingsthema vom Vorjahr wieder aufnahm. über HomosexualSchlittenSex klärte sie diesmal auf. Mein Schlitten, der ganz Kleine mit der langen Schnur, wurde gar des Bi-Sex überführt!
Unsere ganze Aufmerksamkeit soll aber nächstes Jahr dem SadoMasoSchlittenSex gelten, welcher von Lynne und Andreas in voller Fahrt vorgeführt werden soll. Wir werden uns überraschen lassen. Die Ausserirdischen hätten darüber jedenfalls die Köpfe geschüttelt – falls sie denn welche besässen – und fürderhin hätte bei ihnen die Meinung vorgeherrscht, dass eine Schlittenpartie in der Schweiz wohl doch eher ein Fruchtbarkeitsritual sein müsse.
Peter Exinger
PS: Entgegen anderslautender Informationen (Lynne Amos!) existiert die kriegsbedingte Lebensmittelrationierung in Österreich seit dem 1. Mai 1953 nicht mehr. Die Stempelmarken haben damit nichts zu tun.
|
© Sigi Zweifel 2000 |