Bergwanderung Kistenpass, Samstag/Sonntag 2000-September-02/03

(letzte Änderung: 2000-09-26)

Teilnehmer:

Der Wetterbericht war - gelinde gesagt- nicht klar. Wir entschlossen uns die Tour doch zu wagen. Am Samstag um 14:10 Uhr fuhren unsere Züge ab Zürich respektive ab Uster, um 15:47, als wir in Linthal aus dem Zug steigen, treffen wir auch Niels. Herr Heussi, bringt uns mit dem Kleinbus ans Ende des Glarner Grosstales, nach Tierfed. Bei der Talstation der Seilbahn steht ein gutes Dutzend alter Jeeps, mit Zeichen der U.S. Army und der Schweizer Armee. Bestimmt ist es ein Verein für alte Armeefahrzeuge - für Verena ein etwas zu militärischer Anblick. Wie wir von Restaurant Tödi zurückkommen, schaut der Bähnler schon aus der Türe der Station: "seid ihr die Gruppe, die zur Muttseehütte will? Die Hüttenwartin ist am Telefon, sie hat sich erkundigt, ob ihr wirklich kommt, ob sie das Essen kochen soll!"

Zwei Glarner Jäger, Angestellte des Kraftwerkes fahren in derselben Bahn mit uns hoch. Der Hund ist auch dabei. Am Dienstag beginnt die Jagd im Kanton Glarus! Jetzt schon weiss, was ein rechter Jäger ist, welchen Bock er schiessen wird. Aber: "der Gschnäller isch immer no der Gleitiger...", meint der eine Jäger! Wir sehen nur eine Gemse. Die Jäger sehen wohl einiges mehr.

Eigentlich hätte man noch schnell einen Blick in den Tunnel werfen können, durch welchen vor einem halben Jahrhundert die Züge mit dem Zement, gezogen von alten Züritrams, zum Staudamm fuhren. Durch jenen Tunnel wanderte ich beim Rekognoszieren vor drei Wochen. Aber die andern drei Tourenteilnehmer rennen gleich los, aus der Station, zum Beginn des Pfades über das ChalchtrittliChalchtrittli.  Die Gipfel rund herum sind wolkenverhangen, auch im Tal unten sieht man Wolkenschwaden. Das Glarner Grosstal Bei uns scheint die Sonne.
Vom schmalen Pfad im Hang blicken wir tief ins Tal hinab. Im Tal des Sandbachs sehe wir den Bergsturz, welcher vor einigen Jahren den Weg zur Fridolinshütte verschüttete.

Bald ist die exponierte Stelle überwunden. Weiter geht es durch Felder mit blauen Blumendie ominösen Blumen (link), dann über Schuttfelder hinauf. Wie kommen wir bloss da hinüber? Aha, der Weg geht links herum, hinauf, über Marianne in den Nebelschwadendie Felsen! Bald liegt die Muttseehütte vor uns, in der Sonne. Das Kistenstöckli rechts über dem Limmernsee versteckt sich in einer Wolke Limmernsee.

Fünf Burschen aus Glattfelden sind von Tierfed her den ganzen Weg zu Fuss aufgestiegen, haben aber doch noch Kraft genug um Sprüche zu dreschen. Bald gibt es Znacht, Tellerservice: gute Suppe, ein noch etwas körniges Risotto, Salat und Meringues. Marianne ist schon der Dessert zuviel - dabei hätte ich ihr noch gerne ein Glarnerpastetli vorgesetzt. Naja, ein ander Mal!

Wir bekommen ein Zimmer mit fünf Matratzen. Selbst Duvets gibt es in der Hütte, Tuch-Schlafsäcke kann man mieten. Eine Toilette und fliessendes Wasser gibt es im Haus drin. Komfortabel.

Ich höre ein Geräusch, ein Rieseln. Vor der Tür halte ich Nachschau. Verena will mir nicht glauben, dass es schneit. Auch am Morgen glaubt sie mir nicht, bis sie selbst sieht, dass draussen alles weiss ist.

Die weiss überzuckerte Landschaft sieht eigentlich wunderschön aus. Aber wir geniessen den Anblick mit gemischten Gefühlen. Auf dem Programm hatte ich nicht empfohlen, Handschuhe einzupacken. Ich kann ein Paar an Marianne ausleihen, damit ist der Tag vorerst mal gerettet.
Satoi lunta, satoi vettä, satoi pieniä rakeita. Kuka käski Thomaksen ottaa äidin purkista makeita?

Um acht Uhr marschieren wir ab, Niels war schon lange bereit, nur der Tourenleiter hat nicht alle sieben Sachen beisammen. Es fieserlet leicht. Auf der Alp werden etwa 800 Schafe gesommert, einige sahen wir, auf der Suche nach Gras.
Im Schnee ist der Weg nicht gut zu sehen, doch ist er mit Steinmanndli und Stangen markiert. Wir finden auch den Aufstieg auf den Weg oberhalb der Felsen, über der alten Militärhütte, welche der SAC Winterthur kürzlich für einen Franken übernommen hat. Der Weg direkt zur Kistenpasshütte ist bei den Verhältnissen doch etwas zu exponiert.

Schon sind wir am höchsten Punkt (2729 müM) auf dem Kistenpass, im Schnee der Wanderung. Wir machen wir mit dem Selbstauslöser eine Gruppenaufnahme. Der Auslöser arbeitete offenbar, bevor der Apparat vom Stein herunterfiel.

Oben an der Treppe weht eine kleine Schweizerfahne. Wir steigen hinunter, aber die Hütte ist zu. Nicht mal ein Winterraum ist offen. Einige Fussstapfen zeigen: der Hüttenwart ist über den unteren Weg gegangen. Ohne Gäste, bei dem Wetter, lohnt es sich nicht, die Hütte offen zu halten! Auch die ersten der Glattfeldergruppe treffen ein. Schlecht gekleidet, nass. Wir müssen sie enttäuschen, kein warmer Tee.

Der Weg Richtung Kantonsgrenze (Kistenpass, Pass Lembra, 2640 müM) war nicht immer leicht zu sehen, es schneite weiter, in Tuolen ist der Schnee doch oft 15 cm tief. Zwei Schneehühner fliegen auf, noch im Sommerkleid - trotzdem sind sie gleich wieder unsichtbar, kaum habe sie sich wieder gesetzt.
Gerne wäre ich noch zum Kistenstöckli (2745 m) aufgestiegen, möglichst vorne durch, über dem Limmernsee, zurück via Biefertenhütte. Aber bei dem Wetter hat niemand Lust zum Gipfelstürmen. So weiss ich bis heute nicht, was all die kleinen Türmchen auf dem Kistenstock sollen. Sind sie natürlich oder handelt es sich um von Menschen aufgeschichtete Steinmanndli?

Auf dem Weg zur Alp Rubi Sura (2172 müM) kommen wir gegen die Schneegrenze, der Schnee geht in Regen über. Die Rinder sind schon eine Alp tiefer, bei Rubi Sut. Als ich zwei Wochen zuvor den Weg rekognoszieren ging, war der Senn mit den Tieren noch oben; dennoch gab es keine Milch, die einzige Kuh war trocken!
Am Bach im Val Frisal unten sind wir schon recht nass. Aber die Stimmung ist immer noch gut, ich erhalt nicht mal viele Reklamationen, als ich die Gruppe über den (längeren) Höhenweg nach Brigels führe.
Im Restaurant folgen ausführliche Umzieh-Aktionen, anschliessend genehmigen wir uns noch einige Tassen, bevor wir um 14:55 Uhr das Postauto nach Tavanasa besteigen.
Die müde Marianne muss, gezwungen von den Schweizern, das Vorderrheintal anschauen. Den schweizerischen Grand Canyon darf sie keinesfalls verpassen! Verena ist eigentlich zufrieden: wieder eine gute Übungstour gemacht.

Vielleicht werden Verena, Marianne und Niels auch Mitglieder bei den Alpinen?