(letzte Änderung: 2000-09-26)
Teilnehmer:
Der Wetterbericht war - gelinde gesagt- nicht klar. Wir entschlossen uns die Tour doch zu wagen. Am Samstag um 14:10 Uhr fuhren unsere Züge ab Zürich respektive ab Uster, um 15:47, als wir in Linthal aus dem Zug steigen, treffen wir auch Niels. Herr Heussi, bringt uns mit dem Kleinbus ans Ende des Glarner Grosstales, nach Tierfed. Bei der Talstation der Seilbahn steht ein gutes Dutzend alter Jeeps, mit Zeichen der U.S. Army und der Schweizer Armee. Bestimmt ist es ein Verein für alte Armeefahrzeuge - für Verena ein etwas zu militärischer Anblick. Wie wir von Restaurant Tödi zurückkommen, schaut der Bähnler schon aus der Türe der Station: "seid ihr die Gruppe, die zur Muttseehütte will? Die Hüttenwartin ist am Telefon, sie hat sich erkundigt, ob ihr wirklich kommt, ob sie das Essen kochen soll!"
Zwei Glarner Jäger, Angestellte des Kraftwerkes fahren in derselben Bahn mit uns hoch. Der Hund ist auch dabei. Am Dienstag beginnt die Jagd im Kanton Glarus! Jetzt schon weiss, was ein rechter Jäger ist, welchen Bock er schiessen wird. Aber: "der Gschnäller isch immer no der Gleitiger...", meint der eine Jäger! Wir sehen nur eine Gemse. Die Jäger sehen wohl einiges mehr.
Eigentlich hätte man noch schnell einen Blick in den Tunnel werfen können, durch
welchen vor einem halben Jahrhundert die Züge mit dem Zement, gezogen
von alten Züritrams, zum Staudamm fuhren. Durch jenen Tunnel wanderte
ich beim Rekognoszieren vor drei Wochen. Aber die andern drei
Tourenteilnehmer rennen gleich los, aus der Station, zum Beginn des
Pfades über das Chalchtrittli. Die Gipfel
rund herum sind wolkenverhangen, auch im Tal unten sieht man
Wolkenschwaden.
Bei uns scheint die Sonne.
Vom schmalen Pfad im Hang blicken wir tief ins Tal hinab. Im Tal
des Sandbachs sehe wir den Bergsturz, welcher vor einigen Jahren den Weg
zur Fridolinshütte verschüttete.
Bald ist die exponierte Stelle überwunden. Weiter geht es durch Felder mit blauen
Blumen, dann über Schuttfelder hinauf. Wie
kommen wir bloss da hinüber? Aha, der Weg geht links herum, hinauf, über
die
Felsen! Bald liegt die Muttseehütte vor uns, in der Sonne. Das Kistenstöckli rechts
über dem Limmernsee versteckt sich in einer Wolke
.
Fünf Burschen aus Glattfelden sind von Tierfed her den ganzen Weg zu Fuss aufgestiegen, haben aber doch noch Kraft genug um Sprüche zu dreschen. Bald gibt es Znacht, Tellerservice: gute Suppe, ein noch etwas körniges Risotto, Salat und Meringues. Marianne ist schon der Dessert zuviel - dabei hätte ich ihr noch gerne ein Glarnerpastetli vorgesetzt. Naja, ein ander Mal!
Wir bekommen ein Zimmer mit fünf Matratzen. Selbst Duvets gibt es in der Hütte, Tuch-Schlafsäcke kann man mieten. Eine Toilette und fliessendes Wasser gibt es im Haus drin. Komfortabel.
Ich höre ein Geräusch, ein Rieseln. Vor der Tür halte ich Nachschau. Verena will mir nicht glauben, dass es schneit. Auch am Morgen glaubt sie mir nicht, bis sie selbst sieht, dass draussen alles weiss ist.
Die weiss überzuckerte Landschaft sieht eigentlich wunderschön aus. Aber wir
geniessen den Anblick mit gemischten Gefühlen. Auf dem Programm hatte ich nicht
empfohlen, Handschuhe einzupacken. Ich kann ein Paar an Marianne ausleihen, damit ist der
Tag vorerst mal gerettet.
Satoi lunta, satoi vettä, satoi pieniä rakeita. Kuka käski Thomaksen ottaa äidin
purkista makeita?
Um acht Uhr marschieren wir ab, Niels war schon lange bereit, nur der Tourenleiter hat
nicht alle sieben Sachen beisammen. Es fieserlet leicht. Auf der Alp werden etwa 800
Schafe gesommert, einige sahen wir, auf der Suche nach Gras.
Im Schnee ist der Weg nicht gut zu sehen, doch ist er mit Steinmanndli und Stangen
markiert. Wir finden auch den Aufstieg auf den Weg oberhalb der Felsen, über der alten
Militärhütte, welche der SAC Winterthur kürzlich für einen Franken übernommen hat.
Der Weg direkt zur Kistenpasshütte ist bei den Verhältnissen doch etwas zu exponiert.
Schon sind wir am höchsten Punkt (2729 müM)
der Wanderung. Wir machen wir mit dem Selbstauslöser eine Gruppenaufnahme. Der Auslöser
arbeitete offenbar, bevor der Apparat vom Stein herunterfiel.
Oben an der Treppe weht eine kleine Schweizerfahne. Wir steigen hinunter, aber die Hütte ist zu. Nicht mal ein Winterraum ist offen. Einige Fussstapfen zeigen: der Hüttenwart ist über den unteren Weg gegangen. Ohne Gäste, bei dem Wetter, lohnt es sich nicht, die Hütte offen zu halten! Auch die ersten der Glattfeldergruppe treffen ein. Schlecht gekleidet, nass. Wir müssen sie enttäuschen, kein warmer Tee.
Der Weg Richtung Kantonsgrenze (Kistenpass, Pass Lembra, 2640 müM) war nicht immer
leicht zu sehen, es schneite weiter, in Tuolen ist der Schnee doch oft 15 cm tief. Zwei
Schneehühner fliegen auf, noch im Sommerkleid - trotzdem sind sie gleich wieder
unsichtbar, kaum habe sie sich wieder gesetzt.
Gerne wäre ich noch zum Kistenstöckli (2745 m) aufgestiegen, möglichst vorne durch,
über dem Limmernsee, zurück via Biefertenhütte. Aber bei dem Wetter hat niemand Lust
zum Gipfelstürmen. So weiss ich bis heute nicht, was all die kleinen Türmchen auf dem
Kistenstock sollen. Sind sie natürlich oder handelt es sich um von Menschen
aufgeschichtete Steinmanndli?
Auf dem Weg zur Alp Rubi Sura (2172 müM) kommen wir gegen die
Schneegrenze, der Schnee geht in Regen über. Die Rinder sind schon eine Alp
tiefer, bei Rubi Sut. Als ich zwei Wochen zuvor den Weg rekognoszieren ging,
war der Senn mit den Tieren noch oben; dennoch gab es keine Milch, die einzige
Kuh war trocken!
Am Bach im Val Frisal unten sind wir schon recht nass. Aber die Stimmung ist immer noch
gut, ich erhalt nicht mal viele Reklamationen, als ich die Gruppe über den (längeren)
Höhenweg nach Brigels führe.
Im Restaurant folgen ausführliche Umzieh-Aktionen, anschliessend genehmigen wir uns noch
einige Tassen, bevor wir um 14:55 Uhr das Postauto nach Tavanasa besteigen.
Die müde Marianne muss, gezwungen von den Schweizern, das Vorderrheintal anschauen. Den
schweizerischen Grand Canyon darf sie keinesfalls verpassen! Verena ist eigentlich
zufrieden: wieder eine gute Übungstour gemacht.
Vielleicht werden Verena, Marianne und Niels auch Mitglieder bei den Alpinen?