Urs Rüetschi, Organisator und Führer
Imelda Schmid
Hans Oberli, Gast
Teresa Sniatala, Gast
Thomas Schmid, Berichterstatter
Hätte ich gewusst, dass eben heute in der Halle des Zürcher Hauptbahnhofs die Bünder Tage durchgeführt werden, hätte ich einen Tscharnuz Grischun kaufen können. Oder wenigstens ein Gelatto Casalinga da Coira. Aber ich habe schon bei der Bäckerei eingekauft, noch mehr mittragen will ich nicht.
Wie ich zum Zug komme, schauen Imelda und Hans aus dem
Fenster, haben mir einen Platz freigehalten. Teresa und Urs
sind im Abteil auf der Zürichseeseite, wir auf der Seite
des Zugersees. In Erstfeld steigen wir um auf den Bus, in
Amsteg aufs Postauto. Dieses kurft bald die Kehren hoch, die
nach der Sprengung der Felsen ganz oben neu gebaut werden
mussten. Kein Wunder dauerte die Erneuerung der Strasse viele
Wochen, das war eine Riesenarbeit. Der Postautofahrer
erklärt, wo eigentlich was gesprengt wurde.
Zwei Wochen später wird der Urner Landrat eine
Kommission einsetzen, die abklärt, weshalb die
Arbeiten 9 MFr. gekostet haben, etwa das dreifache des
Budgets.
Nichts mit dem Golzerenbähnli heute, wir müssen Richtung Süden auf einem schmalen Pfad aufsteigen. Aber nicht alle! Urs hat ein Auto bestellt; mit dem Alpentaxi von Herrn Indergang entschwinden Hans und Imelda. Bald erreichen wir auf unserem Pfad das Strässli, müssen dort vor einem Auto fast zur Seite springen.
Teresa verstopft sich die Ohren mit einem Walkman, hört tibetanischer Musik, hofft, so besser steigen zu können. Immerhin muss sie so meine Computergeschichten nicht anhören, die erleidet Urs allein.
Wir folgen der Strasse bis zur Alp Hinter Ezliboden (1330 müM), so weit wie Hans fahren durfte. Irgendwo weit vorne im Hang sehen wir einige Leute im Anstieg, ein deutlich sichtbarer weisser Punkt neben einem dunkleren Punkt bewegt sich bergwärts. Sind das wohl unsere zwei Freunde?
Die Brücke des Fahrsträsschens zur Alp haben wir rechts liegen lassen, jetzt müssen wir doch den Bach queren. Vorher muss Teresa die nigelnagelneuen Bergschuhe anziehen, die bequemen Schlarpen im Rucksack versorgen. Galant wird ihr von hinten und von vorne geholfen. Nur die Schuhsohlen werden nass.
In mehreren Stufen steigen wir drei das Tal hinauf.
Während Teresa die Kälber bewundert (welche
Ausreden sich finden lassen, um eine Pause zu machen!),
schalte ich den grossen Gang ein, bin um 17:25 bei der
Etzli-Hütte. Weit unten sehe ich Urs mit einer
Sofakartoffel über die Ebene der Gulmen
(1897 müM) gehen. Eben begegnen sie der Frau mit
den Milch-Geissen - wieder ein Grund für eine Pause!
Imelda und Hans sitzen schon eine halbe Stunde oben, haben sich von der fluchenden Gesellschaft vor der Hütte (2050 müM) abgesetzt. Auf dem Weg zum Bach pfeift mich ein Murmel aus. Keine Sonne, gerne hätte ich den Rücken richtig gebadet, wenn ich bloss eine Methode gefunden hätte, den Oberkörper ins Wasser zu bringen ohne die durchgefrorenen Füsse im kalten Nass zu haben.
Die Hütte ist voll belegt, mit 70 Leuten, das Brot zur Suppe ist knapp! Aber Reis und Currygeschnetzeltes gibt es genug. Hans stiftet uns noch Nussgipfel zum Dessert.
Vor der Tür unseres Zimmers ist noch Mais. Zwei Deutsche sind offenbar ohne Voranmeldung gekommen. Der Hüttenwart erklärt ihnen energisch, dass es für sie nur nach am Fussboden im Gang Platz habe. Nein, es kommt nicht in Frage, dass sie die freien Betten im anderen Zimmer nehmen. Alles ist belegt.
Auch in unserem Zimmer sind am Morgen noch mindestens zwei Matrazen frei. Etwas stimmt mit der Buchhaltung der An- und Abmeldungen nicht.
Hans und Teresa sollen nur auf den Chrüzlipass. Böse Zungen sagen der Teervorrat in der Lunge sei zu schwer für den Gipfel.
Um sechs Uhr sind wir die ersten am Frühstückstisch. Am falschen, wir müssen uns an einen andern Tisch verschieben, erhalten unsere abgezählten Brotscheiben.
Eine halbe Stunde später sind wir unterwegs zum Bach im Unter Felleli hinunter, queren oberhalb meines gestrigen Badplatzes das Wasser, beginnen den Aufstieg nach Süden, zum Piz Nair. Hans und Teresa verabschieden sich, wieder zu dritt suchen wir über die östliche Moräne den Weg. Hier ist kein Eis mehr zu sehen, der untere Teil des Fellelifirns ist weggeschmolzen. Selten finden wir ein kurzes Stück eines Pfades, meist müssen wir über Geröll gehen, steil bergauf. Lose Steine, das ginge ja noch - aber dann noch der grobe Sand auf den Steinen, welchen das Eis zurück gelassen hat, der ist so rutschig. Wir folgen mehr dem linken, westlichen Hang, umgehen einen hohen Schutthügel, wohl eine Endmoräne. So etwa ab 2700 müM sehen wir Eis unter den Steinen, für die letzten 100 m zur Fuorcla (2830 müM) hinauf ziehen wir die Steigeisen an. Der Gipfel (3059 müM) ist frei von Firn und Eis, kann über den Nord-Westgrat in leichter Blockkletterei bestiegen werden. Viele Steine sind wiederum lose, zu Glück sind wir allein unterwegs, gefährden keine anderen Gruppen.
Kein Wind auf dem Gipfel, leider auch keine Sonne, keine
Aussicht.
Für einen Rast mit
Wachteleiern
reicht die Wärme, es geht kein Wind.