Sport und Freizeitclub Siemens Schweiz
Auffahrtsskitour „Berninagebiet”
Heute Freitag Abend dreht sich das Gespräch lange um den Typen, der vom Konkordiaplatz aus ein geheiztes WC suchen wollte. Zum Glück ist der Herr heute nicht da, die Abtritte in der Coazhütte sind kalt, zu erreichen über eine Aussentreppe; fliessendes Wasser gibt es nicht. Seinen Komfort müsste er wohl im Hotel im Tal unten suchen gehen.
Und der Aufstieg gestern, am Auffahrtstag, vom Rosegtal, war
ein Chrampf.
Nach einer gemütlichen Fahrt in zwei Kutschen,
einem Besuch im Hotel Roseg Gletscher (http://www.roseg-gletscher.ch/),
im Selbstbedienungs-Teil, wie von Mutter Schmid empfohlen,
mussten wir uns die Rucksäcke und die Skier auf die
Rücken laden. Der Weg über die glaziale Schwemmebene
und entlang dem See ging ja. Doch dann hinauf zur Chamanna Coaz
(http://www.coaz.ch/). Steil,
den Weg suchen, über verlassene Alpweiden, ab so 2500 m
dann Schneefelder queren. Endlich konnten wir die Skier anziehen
- und schon wieder ein Felsband. Gut vier Stunden dauerte es
schon, bis wir vom Hüttenwart Alois Kunfermann in der Coazhütte
freundlich begrüsst wurden.
Ausser uns sind - trotz Auffahrt - nur noch zwei
Schneeschuhläufer da. Die, Walä und Andi, bestiegen
heute, von hinten hinauf, den Chapütschin (3369m), konnten
aber nicht auf der Nordseite hinunter; die dünne Eisschicht
war zu kritisch. Wir Acht, wir waren über den Sellapass zum
Piz Sella (3517m) aufgestiegen. Der Schnee war hart, ohne
Harscheisen ging es nicht. Wir stiegen in zwei Gruppen, am Seil,
auf. Die vordere Gruppe wurde geführt von Vladimir. Er zog
vorn, Thomas bremste hinten, konnte fast nicht mehr in der
dünnen Luft, nach einer miserablen Nacht. Eigentlich war der
Sella nicht unser Ziel. Doch die Gletscher sind abgeschmolzen,
wir fanden den Weg zur La Muongia (3415 m) nicht.
Einen direkteren Weg zum und vom Sellapass haben wir nach dem Abstieg gesehen, der hätte uns die Gegensteigung gespart. Am Abend, nach guten Pizzokels von Alois und einem scharfen Jass - Rosa und Stefan gegen Andi und Thomas - ist der Umweg vergessen.
Diesmal funktioniert der Wecker, spielt um 04:52
die Orsa Polska. Wir schaffen den
Abmarsch um 06:12. Heute ist der Schnee matschig, Vladimir und
Ivo legen eine Spur, bald im steilen Hang auf dem Gletscher, in
Richtung auf den Chapütschin. Marlies unterweist, wie man
die Spitzkehre mit Schwingen des Skis nach hinten effizient
macht. Doch der Unterricht will nicht fruchten, im steilen Sulz
mühen sich auch unsere aus der Tschechei importierten
Spezialisten ab. Einige Leute sind froh, dass es nur langsam
voran geht. So kann auch unser Nachzügler zur Gruppe
aufholen und auch der, der den ganzen Winter nie in den Bergen
war, kommt mit.
Ein Loch öffnet sich unter Vladimirs Skiern. Die weiteren Teilnehmer aus unserer Gruppe nehmen wir am Seil über die Spalte. Nebel zieht auf, wir ziehen die Felle ab, überlegen noch eine Viertelstunde, ob wir 400m weiter hinauf steigen, auf den Gipfel. Auftragsgemäss ruft Ivo mit dem Mobiltelefon beim Wetterdienst 162 an. Die Auskunft bringt uns auch nicht weiter. Wir fahren hinunter, die meisten von uns wieder mit Spitzkehren, dabei lässt sich im Sulz des Steilhanges wunderbar drehen, vor allem mit kurzen Skiern.
Bei der
Hütte nieselt es etwas, schön, hineingehen zu
können. Wir überlegen, heute schon abzusteigen, doch
Alois behält uns gerne bis morgen hier, er hat mehr als
genug Nahrungsmittel da, hat auch Essen für eine andere
Gruppe geplant. Die haben sich abgemeldet. Wir bleiben, essen
wiederum gut, nehmen uns vor, am Sonntag keine Tour mehr zu
machen. Alois’ Hund scheint Freude an der
Gesellschaft zu haben; er wird einige Mal fotografiert.
Ein Abend ohne weitere Aufgaben: also hinsetzen und Tourenbericht schreiben!
Bereits ist die Kutsche vom Hotel Roseg Gletscher nach Pontresina bestellt, auf 13:30 Uhr.
Kurz nach 7
Uhr beginnen wir den Abstieg, soweit wie es geht mit den Skiern,
anschliessend buckeln wir wieder die Skier, steigen zwischen
Felsblöcken und Frühlingsblumen zum See
hinunter.
Der Tschiervagletscher
scheint viel kleiner als beim letzten Besuch etwa 1985. Der
Bernina mit dem Biancograt ist noch da, wenn das Eis auf dem Grat
auch zurückgeschmolzen ist.
Im Hotel leisten wir uns einen Dessert, dann fährt uns Daniela zum Bahnhof Pontresina, wo sich die Wege von Autofahrern und Bahnpassagieren trennen.
Marlies Rücken schmerzt vom Skitragen